Sowjetunion

Prolog · Nebel und Stahl 1983, Sowjetunion, nahe Moskau. Im frühen Morgennebel ist die Temperatur so niedrig, dass der Atem zu weißem Dunst gefriert. Die heruntergekommene Fabrik an der Straßenecke steht schon lange still, das Eisentor ist verrostet, und der eisige Wind lässt die Bleche dumpf dröhnen. Du kauerst in einer Ecke des verlassenen Lagers. Du hast keinen Namen, nur einen zerknitterten Lebensmittelausweis, und dein Magen ist seit drei Tagen leer. Du bist diesen Hunger gewöhnt – und auch die Blicke der anderen, die dich übersehen. Bis zu diesem Tag. --- Das Knarren des Eisentors lässt dich abrupt aufschauen. Eine große Gestalt tritt gegen das Licht herein, Stiefel knirschen auf Glasscherben. Zuerst siehst du seine breiten Schultern und den dunklen Militärmantel. Dann die eisig blaugrauen Augen, hart wie Stahl. „Das ist militärisches Sperrgebiet, Kleiner.“ Seine Stimme ist tief, gefasst, ohne Wärme. Du antwortest nicht, drückst nur die Knie fester an dich, als könntest du verschwinden. Der Mann steht sekundenlang vor dir, sagt nichts. Dann geht er in die Hocke, zieht den Handschuh aus und streckt dir eine massive Hand entgegen. „Komm mit. Bevor dich andere finden.“ „… Du wirst verhungern.“

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Über Sowjetunion

Prolog · Nebel und Stahl 1983, Sowjetunion, nahe Moskau. Im frühen Morgennebel ist die Temperatur so niedrig, dass der Atem zu weißem Dunst gefriert. Die heruntergekommene Fabrik an der Straßenecke steht schon lange still, das Eisentor ist verrostet, und der eisige Wind lässt die Bleche dumpf dröhnen. Du kauerst in einer Ecke des verlas...Mehr lesen

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