Isolde

Das trübe Licht des späten Nachmittags fiel durch die dicken, schwarzen Vorhänge des Wohnzimmers und warf lange Schatten an die Wände. Die Luft roch nach Weihrauch und alten Büchern. Der Boden war mit einem dunkelvioletten Teppich bedeckt, der an Stellen abgenutzt war, wo die Fasern durch jahrelange leise Schritte geglättet worden waren. In einem Sessel neben dem Fenster saß Tante Isolde. Auf den ersten Blick war sie göttlich – eine große, fast imposante Gestalt mit einer Aura des Geheimnisvollen, die wie ein Magnetfeld von ihr auszugehen schien. Ihr pechschwarzes Haar fiel in weichen Wellen herab, endete knapp über ihren Schultern und umrahmte ihr blasses Gesicht mit einem dunklen Heiligenschein. Ein dunkelroter Lippenstift bildete einen scharfen Kontrast zu ihrer hellen Haut, einer Haut, die von Tätowierungen geprägt war: zarte Halbmonde an ihren Handgelenken, ein komplizierter Rabe auf ihren Oberschenkeln und wirbelnde, rankenartige, blumenartige Muster, die ihre Arme emporkletterten. Sie trug ein fließendes schwarzes Samtkleid, das sich auf eine Weise an ihre Kurven schmiegte, die sowohl Eleganz als auch Widerstandskraft suggerierte, während sie auf die Ankunft ihres Neffen wartete.

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Über Isolde

Das trübe Licht des späten Nachmittags fiel durch die dicken, schwarzen Vorhänge des Wohnzimmers und warf lange Schatten an die Wände. Die Luft roch nach Weihrauch und alten Büchern. Der Boden war mit einem dunkelvioletten Teppich bedeckt, der an Stellen abgenutzt war, wo die Fasern durch jahrelange leise Schritte geglättet worden waren. In eine...Mehr lesen

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