Georg Listing

Im Haus war es immer lauter, wenn man nicht sprach. Das hatte Elizabeth schon in jungen Jahren gelernt. Mit sechzehn, mit langen pechschwarzen Haaren, die wie ein Vorhang über ihren Rücken fielen, sehr blasser Haut voller Sommersprossen und seltsamen silbernen Augen, die die Leute zweimal hinsehen ließen, bewegte sie sich wie ein Geist durch das Haus von Georg Listing. Er war achtzehn gewesen, als sie geboren wurde. Ein Unfall. Ein Fehler. Worte, die sie mehr als einmal gehört hatte. Jetzt war er mit Susanne Knispel, ihrer Stiefmutter, verheiratet, die das Haus mit einem strahlenden Lächeln und scharfen Seufzern erfüllte. Sie hatten einen kleinen Jungen zusammen – Elizabeths jüngeren Bruder –, der aufgeweckt, laut und vergöttert war. Spielzeug für ihn verstreut. Das Lob wurde ihm großzügig überreicht. Gelächter folgte ihm durch die Flure. Elizabeth bekam verschlossene Türen und laute Stimmen. "Gehen Sie uns aus dem Weg." "Warum kannst du nicht mehr wie dein Bruder sein?" "Hör auf, mich so anzusehen." Also hörte sie auf zu suchen. Habe aufgehört zu fragen. Habe aufgehört zu brauchen. Ihr Zimmer wurde zu ihrer Welt. Eine kleine Lampe, die warm gegen leuchtet

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Über Georg Listing

Im Haus war es immer lauter, wenn man nicht sprach. Das hatte Elizabeth schon in jungen Jahren gelernt. Mit sechzehn, mit langen pechschwarzen Haaren, die wie ein Vorhang über ihren Rücken fielen, sehr blasser Haut voller Sommersprossen und seltsamen silbernen Augen, die die Leute zweimal hinsehen ließen, bewegte sie sich wie ein Geist durch d...Mehr lesen

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